Bohrzeit berechnen: Schnittwerte, Spitzenlänge und Zeit je Bauteil
Bohrzeit berechnen mit Drehzahl, Vorschub, Spitzenlänge und Anlaufweg – inklusive Positionierzeit und Hochrechnung auf alle Bohrungen eines Bauteils.
Die Bohrzeit ergibt sich aus dem gesamten Vorschubweg geteilt durch die Vorschubgeschwindigkeit. Der Rechner berücksichtigt Bohrtiefe, Spitzenlänge aus dem Spitzenwinkel und den Anlaufweg und rechnet Schnitt- und Nebenzeit auf alle Bohrungen je Bauteil hoch.
Die verwendeten Formeln
n = (vc × 1000) ÷ (π × d)Drehzahl
Wie bei jedem rotierenden Werkzeug, hier mit dem Bohrerdurchmesser.
vf = n × fVorschubgeschwindigkeit
Der Vorschub je Umdrehung f wird mit der Drehzahl multipliziert.
l_Spitze = d ÷ 2 ÷ tan(σ ÷ 2)Spitzenlänge
σ ist der Spitzenwinkel, üblich sind 118 oder 140 Grad.
t = (L + l_Spitze + l_Anlauf) ÷ vfZeit je Bohrung
Der gesamte Vorschubweg geteilt durch die Vorschubgeschwindigkeit.
Zwölf Kernlöcher für M10 in Baustahl
Bohrer Ø 8,5 mm, vc 90 m/min, Vorschub 0,18 mm/U, Bohrtiefe 25 mm, Spitzenwinkel 140 Grad, 3 mm Anlauf, 4 Sekunden Positionierzeit je Bohrung.
- Drehzahl n = 90 × 1000 ÷ (π × 8,5)3.370 1/min
- Vorschubgeschwindigkeit vf = 3.370 × 0,18607 mm/min
- Spitzenlänge = 8,5 ÷ 2 ÷ tan(70°)1,55 mm
- Weg je Bohrung = 25 + 1,55 + 329,55 mm
- Schnittzeit je Bohrung = 29,55 ÷ 6070,05 min
- Zuzüglich 4 s Positionierzeit je Bohrung0,07 min
- Zeit je Bohrung gesamt0,115 min
- Zwölf Bohrungen × 0,115 min1,38 min
ErgebnisRund 1,4 Minuten Bohrzeit je Bauteil – gut die Hälfte davon ist Nebenzeit.
Senken, Gewinden und Entgraten sind darin noch nicht enthalten. Genau diese Anteile werden bei bohrungsreichen Bauteilen regelmäßig unterschätzt.
Anhaltswerte für das Bohren mit Vollhartmetall
Startwerte bei innerer Kühlmittelzufuhr und stabiler Aufspannung. Verbindlich sind die Angaben des Werkzeugherstellers.
| Werkstoff | vc (m/min) | f je Umdrehung | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Aluminium | 150–350 | 0,10–0,30 mm | Hohe Spanmenge, gute Abfuhr nötig |
| Baustahl S235 / S355 | 80–130 | 0,15–0,30 mm | Gutmütig, Standardfall |
| Vergütungsstahl C45 / 42CrMo4 | 70–110 | 0,12–0,25 mm | Vorsicht beim Austritt |
| Edelstahl 1.4301 / 1.4404 | 50–90 | 0,10–0,20 mm | Konstanter Vorschub gegen Kaltverfestigung |
| Grauguss EN-GJL-250 | 80–140 | 0,15–0,30 mm | Kurzspanend |
| Titan Ti-6Al-4V | 25–50 | 0,08–0,15 mm | Wärme und Spanabfuhr kritisch |
Ab etwa 3 × d Bohrtiefe ist mit Entspanungszyklen oder Tieflochbohrern zu rechnen; die Zeit steigt dadurch überproportional.
Viele kleine Bohrungen schlagen eine große Tasche
Bohrungen wirken über ihre Anzahl. Anfahren, Positionieren, Bohren, Senken und Entgraten summieren sich – deshalb gehört jede Bohrungsgruppe als eigene Position in die Zeitkalkulation.
Wie berechnet man die Bohrzeit?
Die Bohrzeit ergibt sich aus dem gesamten Vorschubweg geteilt durch die Vorschubgeschwindigkeit: t = (Bohrtiefe + Spitzenlänge + Anlauf) ÷ (n × f). Dabei ist n die Drehzahl und f der Vorschub je Umdrehung. Für ein Bauteil wird die Zeit mit der Anzahl der Bohrungen multipliziert und um Positionier- und Werkzeugwechselzeiten ergänzt.
Was ist die Spitzenlänge und warum zählt sie mit?
Die Bohrerspitze ist kegelförmig. Damit eine Bohrung auf voller Tiefe fertig ist, muss dieser Kegel zusätzlich durchfahren werden. Die Spitzenlänge beträgt d ÷ 2 ÷ tan(Spitzenwinkel ÷ 2) – bei einem 8,5-mm-Bohrer mit 140 Grad rund 1,5 mm, bei 118 Grad rund 2,6 mm. Bei Durchgangsbohrungen kommt sie zum Bohrweg hinzu.
Welcher Vorschub ist beim Bohren üblich?
Als Anhaltswert gilt f ≈ 0,02 × d bis 0,03 × d je Umdrehung für Vollhartmetall in Stahl, bei HSS-Bohrern eher weniger. Für einen 8,5-mm-Bohrer sind das etwa 0,17 bis 0,25 mm/U. Verbindlich sind die Herstellerangaben für Werkstoff, Bohrertyp und Kühlung.
Ab welcher Tiefe wird entspant?
Ab etwa dem Drei- bis Fünffachen des Durchmessers verschlechtert sich die Spanabfuhr deutlich. Dann wird mit Entspanungszyklen gearbeitet oder auf Tieflochbohrer mit innerer Kühlmittelzufuhr gewechselt. Beides verlängert die Bearbeitungszeit spürbar und gehört in die Kalkulation.
Warum sind Bohrungen in der Kalkulation so wichtig?
Weil ihre Anzahl multipliziert wirkt. Jede Bohrung kostet Anfahren, Positionieren, Bohren und häufig Senken oder Entgraten. Bei bohrungsreichen Bauteilen übersteigt dieser Anteil oft die Zeit der Konturbearbeitung, obwohl das abgetragene Volumen klein ist.
Passende Rechner und Fachseiten
Aus einem Rechenwert wird noch kein Angebot.
Der Rechner zeigt den Rechenweg für „Bohrzeit berechnen: Schnittwerte, Spitzenlänge und Zeit je Bauteil“. In der Kalkulation kommen Geometrie, Zeichnungsanforderungen, Maschinenprofil und betriebliche Kostensätze hinzu – mit sichtbaren Annahmen statt einer einzelnen Zahl.