Schnittgeschwindigkeit und Drehzahl berechnen
Schnittgeschwindigkeit und Drehzahl hängen über den Durchmesser zusammen; erst der Vorschub macht daraus eine Zeit und damit eine belastbare Kalkulationsgröße.
- Eine Formel, drei Anwendungen
- Bezugsdurchmesser prüfen
- Erst der Vorschub ergibt Zeit

Schnittgeschwindigkeit, Drehzahl und Vorschub sind drei Größen einer einzigen Rechnung.
Die Schnittgeschwindigkeit vc beschreibt, wie schnell sich Schneide und Werkstück relativ zueinander bewegen, angegeben in Metern pro Minute. Sie ist eine Werkstoff- und Werkzeugeigenschaft: Der Hersteller empfiehlt für eine Werkstoffgruppe, einen Schneidstoff und definierte Eingriffsbedingungen einen Bereich. Die Maschine kennt jedoch keine Schnittgeschwindigkeit, sondern nur Drehzahlen. Die Umrechnung erfolgt über den Durchmesser: n = (vc × 1000) ÷ (π × d) beziehungsweise umgekehrt vc = (π × d × n) ÷ 1000. Für vc = 150 m/min und d = 12 mm ergeben sich rund 3.979 1/min.
Entscheidend ist, welcher Durchmesser eingesetzt wird. Beim Fräsen und Bohren ist es der Werkzeugdurchmesser, beim Drehen der Werkstückdurchmesser an der Schneide – dieser verändert sich mit jedem Schnitt. Deshalb arbeiten Drehmaschinen üblicherweise mit konstanter Schnittgeschwindigkeit und einer Drehzahlbegrenzung, sonst würde die Drehzahl beim Plandrehen zur Mitte hin gegen unendlich laufen. Beim Kopierfräsen mit Kugelfräsern ist der wirksame Eingriffsdurchmesser kleiner als der Nenndurchmesser; ohne diese Korrektur wird die tatsächliche Schnittgeschwindigkeit deutlich überschätzt und die Standzeit bleibt hinter der Erwartung zurück.
Zur Zeit wird die Rechnung erst über den Vorschub. Beim Fräsen gilt vf = n × z × fz mit der Zähnezahl z und dem Zahnvorschub fz; beim Drehen und Bohren wird mit dem Vorschub je Umdrehung gerechnet: vf = n × fu. Die Hauptzeit ergibt sich dann aus dem Bearbeitungsweg geteilt durch vf. Eine höhere Drehzahl verkürzt die Zeit also nur dann, wenn der Zahnvorschub gehalten werden kann. Bei kleinem radialem Eingriff ist außerdem die mittlere Spandicke kleiner als der Zahnvorschub – ohne Spandickenkorrektur schneidet das Werkzeug zu dünn und verschleißt schneller.
Für die Kalkulation folgt daraus zweierlei. Erstens: Schnittwerte gehören in eine gepflegte, betriebliche Datenbasis mit Werkstoffgruppe, Werkzeug, Maschine und Erfahrungswert – nicht in einzelne Köpfe oder verstreute Tabellen. Zweitens: Schnittwerte allein sind keine Kalkulation. Sie liefern die Hauptzeit; Nebenzeiten, Werkzeugwechsel, Messen, Handling und die auf die Losgröße verteilte Rüstzeit bestimmen bei kleinen Teilen häufig den größeren Anteil. Der Drehzahlrechner und der Vorschubrechner zeigen den Rechenweg Schritt für Schritt, das Zeitspanungsvolumen hilft bei der Plausibilitätsprüfung gegen die Maschinenleistung.
Das sollten Sie mitnehmen.
Schnittwerte wird so erklärt, dass Eingaben, Vorgehen, Wirkung und Grenzen in der CNC-Kalkulation nachvollziehbar bleiben.
Eine Formel, drei Anwendungen
Fräsen, Drehen und Bohren nutzen dieselbe Beziehung zwischen vc, Durchmesser und Drehzahl.
Bezugsdurchmesser prüfen
Werkzeugdurchmesser, Werkstückdurchmesser und wirksamer Eingriffsdurchmesser sind nicht dasselbe.
Erst der Vorschub ergibt Zeit
Ohne Zahnvorschub, Zähnezahl und Werkzeugweg bleibt die Drehzahl eine Prozessgröße ohne Kostenwirkung.
Drehzahl direkt berechnen
Schnittgeschwindigkeit und Durchmesser eingeben, Maschinengrenze prüfen. Zum Drehzahlrechner
Fachwissen zum Weiterlesen
Fragen und Antworten
Die wichtigsten Praxisfragen zu Schnittwerte und der Einordnung in eine belastbare Kalkulation.
Wie hängen Schnittgeschwindigkeit und Drehzahl zusammen?
Es gilt vc = (π × d × n) ÷ 1000 beziehungsweise n = (vc × 1000) ÷ (π × d). Die Schnittgeschwindigkeit ist die Relativgeschwindigkeit zwischen Schneide und Werkstück in m/min, die Drehzahl der daraus folgende Spindelwert in 1/min bei gegebenem Durchmesser.
Welcher Durchmesser wird eingesetzt?
Beim Fräsen und Bohren der Werkzeugdurchmesser, beim Drehen der Werkstückdurchmesser an der Schneide. Beim Kopierfräsen mit Kugelfräsern ist der wirksame Eingriffsdurchmesser kleiner als der Nenndurchmesser – ohne diese Korrektur wird die tatsächliche Schnittgeschwindigkeit deutlich überschätzt.
Warum liefert eine höhere Drehzahl nicht automatisch kürzere Zeiten?
Die Bearbeitungszeit hängt an der Vorschubgeschwindigkeit vf = n × z × fz. Eine höhere Drehzahl verkürzt die Zeit nur, wenn der Zahnvorschub gehalten werden kann. Standzeit, Stabilität, Spanabfuhr und Maschinenleistung setzen die praktische Grenze.
Was bedeutet konstante Schnittgeschwindigkeit beim Drehen?
Mit G96 hält die Steuerung vc konstant und erhöht die Drehzahl, während der Durchmesser kleiner wird. Beim Plandrehen bis zur Mitte ist deshalb eine Drehzahlbegrenzung erforderlich. Für die Zeitkalkulation bedeutet das: Der Vorschubweg wird über den Durchmesserverlauf integriert, nicht mit einer festen Drehzahl gerechnet.
Woher stammen belastbare Schnittwerte?
Aus den Empfehlungen des Werkzeugherstellers für Werkstoffgruppe, Schneidstoff, Beschichtung, Kühlung und Eingriffsbedingungen – und aus den eigenen, dokumentierten Erfahrungswerten des Betriebs. Beides gehört in eine gepflegte Schnittwertbasis statt in einzelne Köpfe.
Vom Fachwissen zum passenden Produktablauf.
Am Thema Schnittwerte sehen Sie, wie technische Quellen, Betriebsdaten und Freigaben in CNC Kalkulator zusammengeführt werden – ohne die Fachentscheidung zu automatisieren.