Zielpreis rückwärts rechnen: zulässige Bearbeitungszeit ermitteln
Rückwärtskalkulation für CNC-Teile: Aus geforderten Verkaufspreis, Material, Rüstanteil, Gemeinkosten und Zielmarge die maximal zulässige Bearbeitungszeit je Stück berechnen.
Bei der Rückwärtskalkulation steht der Preis fest. Nach Abzug von Marge, Gemeinkosten, Material, Fremdleistung und Rüstanteil bleibt ein Budget für Maschinenzeit – geteilt durch den Stundensatz ergibt das die maximal zulässige Bearbeitungszeit je Stück.
Die verwendeten Formeln
Zulässige Selbstkosten = Preis × (1 − Marge)Vom Preis zu den Kosten
Die Marge wird vom Verkaufspreis abgezogen, nicht aufgeschlagen.
Zulässige Herstellkosten = Selbstkosten ÷ (1 + GK)Gemeinkosten herausrechnen
Der Gemeinkostenzuschlag wird rückwärts wieder entfernt.
Budget = Herstellkosten − Material − Fremdleistung − RüstanteilBudget für Maschinenzeit
Was nach allen anderen Positionen übrig bleibt.
t_max = Budget ÷ Stundensatz × 60Maximal zulässige Zeit
Das Budget in Minuten Maschinenzeit je Stück umgerechnet.
Kunde fordert 45 € je Stück bei 20 Stück
18,50 € Material, keine Fremdleistung, 72 €/h Maschinenstundensatz, 75 Minuten Rüstzeit, 18 % Gemeinkosten, 12 % Zielmarge.
- Zulässige Selbstkosten = 45 × (1 − 0,12)39,60 €
- Zulässige Herstellkosten = 39,60 ÷ 1,1833,56 €
- Rüstanteil je Stück = 75 ÷ 60 × 72 ÷ 204,50 €
- Budget für Maschinenzeit = 33,56 − 18,50 − 4,5010,56 €
- Zulässige Zeit = 10,56 ÷ 72 × 608,8 min
ErgebnisDas Teil darf maximal 8,8 Minuten Maschinenzeit je Stück brauchen.
Liegt die realistische Bearbeitungszeit bei 24 Minuten, ist der Zielpreis mit diesem Prozess nicht darstellbar – bei 200 statt 20 Stück stünden dagegen rund 12,2 Minuten zur Verfügung.
Der Zielpreis beantwortet eine andere Frage
Die Vorwärtskalkulation sagt, was ein Teil kostet. Die Rückwärtskalkulation sagt, wie schnell Sie sein müssten – und macht damit sichtbar, ob ein geforderter Preis mit dem geplanten Prozess überhaupt erreichbar ist.
Was ist eine Rückwärtskalkulation?
Bei der Rückwärtskalkulation steht der Preis fest und die zulässigen Kosten werden daraus abgeleitet. Vom geforderten Verkaufspreis werden Marge, Gemeinkosten, Material, Fremdleistung und der Rüstanteil abgezogen. Was übrig bleibt, ist das Budget für Maschinenzeit – umgerechnet mit dem Stundensatz ergibt das die maximal zulässige Bearbeitungszeit je Stück.
Wofür braucht man das in der Lohnfertigung?
Wenn ein Kunde einen Zielpreis nennt oder ein Wettbewerbspreis bekannt ist, zeigt die Rückwärtskalkulation sofort, ob der Auftrag mit dem geplanten Prozess machbar ist. Sie beantwortet die Frage „Wie schnell müssten wir sein?“ statt nur „Was kostet es bei uns?“.
Was tun, wenn die zulässige Zeit unter der realistischen liegt?
Dann gibt es drei ehrliche Optionen: den Prozess ändern (andere Maschine, weniger Aufspannungen, größere Losgröße, günstigeres Rohteil), die Marge bewusst reduzieren und das dokumentieren, oder absagen. Die Zeit im Nachhinein kleinzurechnen, verlagert das Problem nur in die Fertigung.
Warum wird die Marge vom Verkaufspreis gerechnet?
Weil eine Marge als Anteil am Verkaufspreis definiert ist, ein Aufschlag dagegen als Anteil an den Selbstkosten. 12 Prozent Marge entsprechen rund 13,6 Prozent Aufschlag. Wer beides verwechselt, verliert genau diesen Unterschied im Ergebnis.
Wie wirkt die Losgröße auf den Zielpreis?
Sehr stark: Der Rüstanteil je Stück sinkt mit steigender Menge und gibt Budget für Maschinenzeit frei. Ein Preis, der bei 20 Stück unmöglich ist, kann bei 200 Stück komfortabel sein. Deshalb gehört zu jedem Zielpreis eine Menge.
Passende Rechner und Fachseiten
Aus einem Rechenwert wird noch kein Angebot.
Der Rechner zeigt den Rechenweg für „Zielpreis rückwärts rechnen: zulässige Bearbeitungszeit ermitteln“. In der Kalkulation kommen Geometrie, Zeichnungsanforderungen, Maschinenprofil und betriebliche Kostensätze hinzu – mit sichtbaren Annahmen statt einer einzelnen Zahl.