Was kostet CNC-Fräsen? Preisfaktoren und Rechenweg
Rohteil, Bearbeitungszeit je Aufspannung, Rüst- und Programmieranteil sowie Zuschläge ergeben den Preis eines Frästeils – nachvollziehbar statt pauschal.
- Aufspannungen zählen
- Zeit vor Preis
- Einmalkosten offenlegen

Beim Fräsen entscheidet die Zahl der Aufspannungen häufiger über den Preis als das Volumen.
Der Preis eines Frästeils entsteht in derselben Reihenfolge wie seine Fertigung. Zuerst steht das Rohteil: Platte, Zuschnitt oder Strangabschnitt inklusive Aufmaß und Spannzugabe, bewertet mit Gewicht und Werkstoffpreis. Danach folgt die Bearbeitung je Aufspannung, getrennt nach Schruppen, Vorschlichten, Schlichten, Bohren, Gewinden und Entgraten. Erst am Ende kommen der auf die Losgröße verteilte Einmalaufwand für Programmierung, Vorrichtung und Erstmuster sowie Gemeinkosten und Marge hinzu.
Ein Rechenbeispiel: Ein Aluminium-Frästeil mit 24 Minuten Bearbeitungszeit, 18,50 € Materialanteil und einem Maschinenstundensatz von 72 €/h ergibt 28,80 € Fertigungskosten plus Material, also rund 47 € Herstellkosten je Stück in Serie. Bei 20 Stück und 75 Minuten Rüstzeit kommen 4,50 € Rüstanteil je Stück dazu, bei fünf Stück sind es 18 €. Die Bearbeitung ist in allen Fällen identisch – der Preisunterschied entsteht ausschließlich durch die Verteilung fixer Anteile.
Konstruktiv treiben vor allem vier Dinge die Zeit: zusätzliche Aufspannungen, kleine Innenradien, die kleine Werkzeuge und damit kleine Schnittwerte erzwingen, tiefe Taschen mit langen Auskraglängen sowie eine hohe Anzahl von Bohrungen und Gewinden. Ein Bauteil mit wenig Zerspanvolumen, aber vierzig Bohrungen und zwanzig Gewinden kann deutlich teurer sein als ein Bauteil mit großer, aber einfacher Taschenbearbeitung. Dazu kommen enge Toleranzen, feine Oberflächen, Fremdleistungen wie Eloxieren oder Härten und die geforderte Dokumentation.
Für belastbare Angebote gilt deshalb dieselbe Regel wie beim Drehen: Erst die Zeit je Arbeitsgang, dann der Preis. Wer Angebote vergleicht, achtet auf gleiche Menge, gleiche Revision, gleichen Lieferumfang und gleichen Prüfumfang – und darauf, ob Staffelpreise einen plausiblen Verlauf haben. Den Rechenweg können Sie mit dem Stückkosten-Rechner und dem Bearbeitungszeit-Rechner direkt mit eigenen Zahlen prüfen; die Systematik dahinter steht unter Kalkulation Frästeile.
Das sollten Sie mitnehmen.
Preisbildung wird so erklärt, dass Eingaben, Vorgehen, Wirkung und Grenzen in der CNC-Kalkulation nachvollziehbar bleiben.
Aufspannungen zählen
Jede zusätzliche Lage bringt Rüsten, Ausrichten, Antasten und ein neues Toleranzrisiko.
Zeit vor Preis
Erst wenn die Zeit je Arbeitsgang steht, ergibt der Stundensatz eine belastbare Zahl.
Einmalkosten offenlegen
Programm, Vorrichtung und Erstmuster gehören als eigene Position ins Angebot.
Preis direkt überschlagen
Bearbeitungszeit, Rüstanteil und Material zu einem Angebotspreis verbinden. Zum Stückkosten-Rechner
Fachwissen zum Weiterlesen
Fragen und Antworten
Die wichtigsten Praxisfragen zu Preisbildung und der Einordnung in eine belastbare Kalkulation.
Was kostet ein CNC-Frästeil?
Der Preis entsteht aus Rohteil, Bearbeitungszeit je Aufspannung, anteiligem Rüst- und Programmieraufwand, Fremdleistungen sowie Gemeinkosten und Marge. Ein Frästeil mit 24 Minuten Bearbeitungszeit bei 72 €/h und 18,50 € Material liegt bei rund 47 € Selbstkosten je Stück in Serie – zuzüglich Rüstanteil bei kleinen Mengen.
Warum kostet die zweite Aufspannung so viel?
Jede Aufspannung bedeutet erneut Rüsten, Ausrichten, Antasten, oft eine eigene Vorrichtung und ein zusätzliches Lagetoleranzrisiko. Bauteile, die in einer Aufspannung fertig werden, sind bei gleichem Zerspanvolumen spürbar günstiger.
Welche Konstruktionsdetails verteuern Frästeile?
Kleine Innenradien erzwingen kleine Werkzeuge und kleine Schnittwerte, tiefe Taschen lange Auskraglängen, dünne Wände reduzierte Zustellungen. Dazu kommen viele Bohrungen und Gewinde, gefräste Freistiche, enge Toleranzen und feine Oberflächen.
Lohnt sich eine Vorrichtung?
Sie rechnet sich, wenn die eingesparte Rüst- und Handlingzeit über die geplante Menge die einmaligen Kosten übersteigt. Für die Kalkulation gehört die Vorrichtung als eigene Position mit Nutzungsdauer und Zuordnung zur Serie in das Angebot, nicht in einen pauschalen Zuschlag.
Wie kommt man schnell zu einem belastbaren Preis?
Zuerst eine Aufspannfolge festlegen, dann Schrupp-, Schlicht-, Bohr- und Gewindeanteile getrennt schätzen und mit einem vergleichbaren Referenzteil abgleichen. Ein dokumentierter Referenzfall mit realen Rückmeldezeiten ist schneller und genauer als eine neue Schätzung.
Vom Fachwissen zum passenden Produktablauf.
Am Thema Preisbildung sehen Sie, wie technische Quellen, Betriebsdaten und Freigaben in CNC Kalkulator zusammengeführt werden – ohne die Fachentscheidung zu automatisieren.