Kernloch, Tragtiefe und Gewindeverfahren richtig wählen
Kernloch, Tragtiefe und Gewindeverfahren bestimmen Prozesssicherheit und Zeit. Bei vielen Gewinden je Bauteil ist das oft die größte Zeitposition.
- Kernloch aus der Steigung
- 60 bis 75 Prozent reichen
- Verfahren bewusst wählen

Ein Gewinde ist selten ein Arbeitsschritt – meistens sind es vier bis fünf.
Das Kernloch ist der Ausgangspunkt jedes geschnittenen Gewindes. Für metrische ISO-Regelgewinde gilt die Faustformel Kernloch = d − P: M6 mit 1,0 mm Steigung braucht 5,0 mm, M8 mit 1,25 mm 6,8 mm, M10 mit 1,5 mm 8,5 mm und M12 mit 1,75 mm 10,2 mm. Die Normwerte nach DIN 336 runden auf gängige Bohrerdurchmesser. Wer die Tragtiefe bewusst festlegen möchte, rechnet Kernloch = d − T × 1,0825 × P, wobei 1,0825 × P der vollen Gewindehöhe entspricht.
Eine höhere Tragtiefe wirkt intuitiv sicherer, ist es aber nicht. Zwischen 60 und 75 Prozent ist die Auszugsfestigkeit praktisch ausgereizt, weil vorher der Schraubenschaft versagt. Darüber steigen Schnittmoment, Wärmeeintrag und Bruchrisiko des Gewindebohrers deutlich, ohne dass die Verbindung nennenswert fester wird. Ein abgebrochener Gewindebohrer in einem weitgehend fertigen Bauteil ist einer der teuersten Einzelfehler in der Zerspanung – dieses Risiko gehört in die Verfahrensentscheidung, nicht in einen pauschalen Zuschlag.
Beim Verfahren stehen drei Wege zur Auswahl. Gewindebohren ist schnell und einfach, der Vorschub ist durch die Steigung festgelegt (vf = n × P), das Werkzeug arbeitet aber formgebunden und kann brechen. Gewindefräsen ist prozesssicher, erlaubt eine Maßkorrektur über die Bahnkorrektur, deckt mit einem Werkzeug mehrere Größen ab und ist bei teuren Bauteilen, Sacklöchern mit knappem Auslauf und schwer zerspanbaren Werkstoffen die bessere Wahl – je Gewinde aber meist langsamer. Gewindeformen erzeugt spanlos ein festeres Gewinde ohne Spanproblem, verlangt jedoch ein größeres Kernloch und einen ausreichend duktilen Werkstoff.
Für die Kalkulation zählt die vollständige Kette je Gewinde: Zentrieren oder Anbohren, Kernlochbohren, Senken, Gewinden und Entgraten – jeweils inklusive Werkzeugwechsel und Positionierweg. Bei einem Bauteil mit zwanzig Gewinden entstehen daraus schnell mehr Minuten als bei der gesamten Konturbearbeitung, obwohl das abgetragene Volumen minimal ist. Genau deshalb führt eine reine Volumenschätzung bei bohrungsreichen Bauteilen systematisch zu niedrig. Kernloch, Drehzahl, Vorschub und Zeitanteil können Sie im Gewinde- und Kernlochrechner direkt für Ihr Bauteil bestimmen.
Das sollten Sie mitnehmen.
Gewinde wird so erklärt, dass Eingaben, Vorgehen, Wirkung und Grenzen in der CNC-Kalkulation nachvollziehbar bleiben.
Kernloch aus der Steigung
Für Regelgewinde gilt näherungsweise Nenndurchmesser minus Steigung.
60 bis 75 Prozent reichen
Mehr Tragtiefe bringt kaum Festigkeit, kostet aber Standzeit und Prozesssicherheit.
Verfahren bewusst wählen
Bohren, Fräsen oder Formen unterscheiden sich in Zeit, Risiko und Werkzeugkosten.
Kernloch direkt bestimmen
Gewinde wählen und Kernloch, Tragtiefe, Drehzahl und Zeitanteil ablesen. Zum Gewinde- und Kernlochrechner
Fachwissen zum Weiterlesen
Fragen und Antworten
Die wichtigsten Praxisfragen zu Gewinde und der Einordnung in eine belastbare Kalkulation.
Wie bestimmt man das Kernloch für ein Gewinde?
Für metrische Regelgewinde gilt näherungsweise Kernloch = Nenndurchmesser − Steigung, die Normwerte nach DIN 336 runden auf gängige Bohrerdurchmesser: M6 = 5,0 mm, M8 = 6,8 mm, M10 = 8,5 mm, M12 = 10,2 mm. Genauer lässt sich das Kernloch über die gewünschte Gewindetragtiefe rechnen.
Welche Tragtiefe ist sinnvoll?
Üblich sind 60 bis 75 Prozent. In diesem Bereich wird nahezu die volle Auszugsfestigkeit erreicht, während Schnittmoment und Bruchrisiko des Gewindebohrers deutlich niedriger bleiben als bei einer Auslegung nahe 100 Prozent.
Wann lohnt sich Gewindefräsen statt Gewindebohren?
Bei teuren oder bereits weitgehend fertigen Bauteilen, bei schwer zerspanbaren Werkstoffen, bei großen Gewinden, bei Sacklöchern mit knappem Auslauf und wenn ein Werkzeug mehrere Gewindegrößen abdecken soll. Gewindefräsen ist prozesssicherer, aber je Gewinde meist langsamer.
Wie viel Zeit kostet ein Gewinde in der Kalkulation?
Zu rechnen sind Zentrieren oder Anbohren, Kernlochbohren, Senken, Gewinden und Entgraten – jeweils inklusive Werkzeugwechsel und Positionierweg. Bei Bauteilen mit vielen Gewinden ist das häufig die größte Zeitposition, unabhängig vom abgetragenen Volumen.
Vom Fachwissen zum passenden Produktablauf.
Am Thema Gewinde sehen Sie, wie technische Quellen, Betriebsdaten und Freigaben in CNC Kalkulator zusammengeführt werden – ohne die Fachentscheidung zu automatisieren.