Was kostet CNC-Drehen? Preisfaktoren und Rechenweg
Material, Bearbeitungszeit, Rüstanteil und Zuschläge ergeben den Stückpreis eines Drehteils. Marktpauschalen ersetzen die eigenen Kostensätze nicht.
- Vier Blöcke statt einer Zahl
- Losgröße bestimmt den Preis
- Preistreiber benennen

Ein Drehteilpreis lässt sich nicht abfragen, aber vollständig herleiten.
Die Frage „Was kostet CNC-Drehen?“ lässt sich seriös nur als Rechenweg beantworten. Der Stückpreis entsteht aus vier Blöcken: Material inklusive Abstech- und Spannzugabe, Bearbeitungszeit bewertet mit dem Maschinenstundensatz, auftragsbezogener Einmalaufwand für Rüsten, Programmieren und Erstmusterprüfung sowie Gemeinkosten, Risiko und Marge. Vereinfacht gilt: Selbstkosten = Material + t_Bearbeitung × Stundensatz + (t_Rüsten × Stundensatz) / N + Fremdleistungen, danach folgen Zuschläge und Preisentscheidung.
Ein Beispiel macht die Größenordnung greifbar. Ein Drehteil aus S355 mit 3,2 Minuten Hauptzeit, 1,1 Minuten Nebenzeit, 90 Minuten Rüstzeit, 2,80 kg Rohteil zu 2,40 €/kg und einem Maschinenstundensatz von 70 €/h liegt bei 20 Stück bei rund 17 € Herstellkosten je Stück, bei 500 Stück dagegen bei etwa 12 € – Gemeinkosten und Marge kommen jeweils noch hinzu. Die Bearbeitung bleibt identisch – nur der Rüstanteil verteilt sich anders. Wer einen Preis ohne zugehörige Menge nennt oder vergleicht, vergleicht deshalb zwei verschiedene Dinge.
Nach oben getrieben wird der Preis durch konkrete Anforderungen, nicht durch das Bauteil an sich: enge Passungen und Form- und Lagetoleranzen mit Bezugssystem, feine Oberflächen, lange schlanke Geometrien mit Setzstock- oder Lünettenbedarf, tiefe Innenbearbeitungen, dünne Wandstärken, schwer zerspanbare Werkstoffe wie Edelstahl oder Titan, zusätzliche Aufspannungen sowie Fremdleistungen wie Härten, Schleifen oder Beschichten. Auch Prüf- und Dokumentationsanforderungen – Messprotokoll, Erstmusterprüfbericht, Materialzeugnis – sind eigenständige Kostenpositionen.
Für die Praxis heißt das: Vergleichbar werden Angebote erst, wenn Menge, Werkstoff, Revision, Lieferumfang und Prüfumfang identisch sind. Wer eingehende Angebote bewerten will, zerlegt sie in Material, Fertigungszeit, Rüstanteil und Zuschläge und hält sie gegen ein eigenes Referenzteil mit realen Rückmeldezeiten. Mit dem Stückkosten-Rechner und dem Maschinenstundensatz-Rechner lässt sich dieser Weg in wenigen Minuten mit den eigenen Zahlen nachvollziehen; die Details zur Zeitermittlung stehen unter Kalkulation Drehteile.
Das sollten Sie mitnehmen.
Preisbildung wird so erklärt, dass Eingaben, Vorgehen, Wirkung und Grenzen in der CNC-Kalkulation nachvollziehbar bleiben.
Vier Blöcke statt einer Zahl
Material, Maschinenzeit, auftragsbezogener Einmalaufwand und Zuschläge werden getrennt bewertet.
Losgröße bestimmt den Preis
Rüsten und Programmieren wirken bei zehn Teilen völlig anders als bei tausend.
Preistreiber benennen
Toleranz, Oberfläche, Werkstoff und Prüfumfang gehören sichtbar in die Kalkulation.
Preis direkt überschlagen
Eigene Zeiten, Kostensätze und Losgrößen einsetzen statt Marktpauschalen zu übernehmen. Zum Stückkosten-Rechner
Fachwissen zum Weiterlesen
Fragen und Antworten
Die wichtigsten Praxisfragen zu Preisbildung und der Einordnung in eine belastbare Kalkulation.
Was kostet ein CNC-Drehteil?
Ein seriöser Preis lässt sich nicht pauschal angeben, aber sauber berechnen: Stückpreis = Material + (Bearbeitungszeit × Maschinenstundensatz) + (Rüstzeit × Stundensatz ÷ Losgröße) + Fremdleistungen, danach Gemeinkosten und Marge. Entscheidend sind die eigenen Kostensätze und die tatsächliche Losgröße, nicht ein Marktdurchschnitt.
Warum ist ein Einzelteil so viel teurer als das gleiche Teil in Serie?
Rüsten, Programmieren, Werkzeugvorbereitung und Erstmusterprüfung fallen einmal je Auftrag an. Bei 90 Minuten Rüstzeit und 70 €/h entstehen 105 € Rüstkosten – verteilt auf 1 Stück sind das 105 €, auf 100 Stück 1,05 €. Die reine Maschinenzeit je Teil bleibt dagegen gleich.
Welchen Anteil hat das Material?
Bei einfachen Drehteilen aus Stangenmaterial liegt der Materialanteil häufig im Bereich von 10 bis 30 Prozent, bei Edelstahl, Titan oder großen Durchmessern deutlich höher. Maßgeblich ist das Rohteilgewicht inklusive Abstech- und Spannzugabe, nicht das Fertigteilgewicht.
Welche Angaben treiben den Preis nach oben?
Enge Passungen und Form-/Lagetoleranzen, feine Oberflächen, dünnwandige oder lange schlanke Geometrien, Innenbearbeitung mit großer Auskraglänge, schwer zerspanbare Werkstoffe, zusätzliche Aufspannungen, Fremdleistungen wie Härten oder Beschichten sowie Prüf- und Dokumentationspflichten.
Wie prüft man ein erhaltenes Angebot auf Plausibilität?
Angebot in Material, Fertigungszeit, Rüstanteil und Zuschläge zerlegen und mit einem eigenen, vergleichbaren Referenzteil abgleichen. Auffällig sind vor allem stark abweichende Rüstannahmen und Staffelpreise, deren Verlauf nicht zur Losgröße passt.
Vom Fachwissen zum passenden Produktablauf.
Am Thema Preisbildung sehen Sie, wie technische Quellen, Betriebsdaten und Freigaben in CNC Kalkulator zusammengeführt werden – ohne die Fachentscheidung zu automatisieren.